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Wilfried Koch
Also geboren wie gesagt bin ich in, in Berlin, äh … und, ähm … in Karlshorst äh habe ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht, ähm … Aufgewachsen, ja in Gesamtberlin. Ich bin in der Mitte der Stadt zur Schule gegangen, habe da mein Abitur gemacht, äh, habe an anderen Orten der Stadt Fußball spielen gelernt. Das, ähm … also Berlin ist im Prinzip regional die Heimat, die ich, äh, in der ich aufgewachsen bin.
Interviewer
War das damals, als Sie aufgewachsen sind, West-Berlin oder Ost-Berlin?
Wilfried Koch
Nein das war, das war Ost-Berlin. Das, das, äh … also Karlshorst ist im Prinzip der Ort, ähm, in dem die Kapitulation, äh … nach dem Zweiten Weltkrieg unterzeichnet wurde. Äh … In der Kindheit habe ich im Prinzip in einem geteilten Karlshorst gelebt, in einem Teil waren die sowjetischen Streitkräfte untergebracht und wir haben praktisch gegenüber gelebt.
Interviewer
Also haben Sie Ihr ganzes Leben in Berlin verbracht?
Wilfried Koch
Nein, äh, das ist es nicht. Also, ich, äh, fühl’ mich eigentlich verbunden mit vielen Regionen, in den ich längere Zeit gelebt habe, äh, oder die einen besonderen Eindruck auf mich gemacht haben. Also ich habe ein Jahr lang in Moskau gelebt, ich hab’ äh, ähm … mehr als ein Jahr in den USA verbracht und, äh, mit diesen Regionen dort, das, das in den USA war das zum Beispiel Kansas City, ähm … das … bin ich, bin ich sehr, sehr verbunden.
Interviewer
Okay, also warum, fühlen Sie, das ist weit weg von Ihrer eigenen Heimat, warum fühlen Sie sich mit diesen Regionen auch verbunden?
Wilfried Koch
Ja, man trifft dort Menschen, äh, mit denen man, äh, Kontakte pflegt, mit denen man Beziehungen eingeht. Man lernt die Kultur des anderen, äh, Landes kennen und schätzen, äh … und wenn man beide Sprachen, äh, spricht, sowohl das Russische als auch das Englische, hat man auch einen anderen Zugang zum, zum Leben, der authentischer ist, als wenn man das über die Übersetzung, äh, erlebt.
Interviewer
Und fühlen Sie sich in Berlin zu Hause und warum?
Wilfried Koch
Ja, Berlin ist durchaus meine Heimat, ähm, aber, ähm … das, das, ähm … sind, sind Dinge, die ja schon, schon wie ich schon sagte, das ist, ähm … es gibt Kulturangebote, es gibt Sportangebote, die ich schon als, als Kind hab’, äh, nutzen können. Ähm …Berlin hat Parks, hat Parks und Wälder, in denen ich als Kind umherstreifen konnte und dass, äh, dass so viele Seen hier vorhanden sind, in denen man baden und schwimmen kann, das war etwas, was, äh, was mich durchaus als Kind begeistert hat und auch heute, ähm … ist es für mich, äh, ganz wichtig. Ich glaube Berlin gehört zu den grünsten Hauptstädten Europas.
Interviewer
Und wie wichtig, nochmal zur Sprache zurückzukommen, wie wichtig ist die Sprache für Ihre Identität?
Wilfried Koch
Ähm …Na ja, äh, jetzt eigent…, eigentlich, ähm, bildet sich die Identität in dem Moment, ähm … durch das Umfeld. Ähm … also, äh … mu… muss nicht nur in einer Form der Sprache mich ausdrücken können, ähm … Ich habe verschiedene … Gelegenheiten, mit, mit verschiedenen Menschen aus verschiedenen, äh, Bildungsschichten, äh, zu sprechen. Ich habe, äh, internationale Kontakte, ähm, und dafür brauche ich im Prinzip, ähm … nicht nur eine Sprache, sondern eben viele Varianten und auch viele Sprachen.
Interviewer
Sind Sie eine bisschen andere Person, ob sie jetzt auf Deutsch sprechen, auf Englisch, auf Russisch, auf Berlinerisch?
Wilfried Koch
Das ist, das ist richtig. Ähm … Also, ähm … jede nationale Sprache denke ich, entwickelt auch, äh, eigene Denkmuster, die an, an die verwendeten Begrifflichkeiten gebunden sind und, äh … insofern tickt auch jeder Mensch, äh, je nachdem welchen Hintergrund er hat, äh, auch anders. Das … Ich hab’s ähm … insbesondere guten gemerkt, und bin ich ähm … äh, längere Zeit im Ausland war, das man sich sofort auch in, in andere Denk- und Verhaltensmuster begibt, weil man anders spricht.
Ähm … Ich möchte’s vielleicht mal an einem Beispiel formulieren: ähm … Im Englischen gibt es, ähm … Sprachmuster, die relativ gefestigt sind, die einen, eine sofortige Höflichkeit, äh, suggerieren und, äh … man bedankt sich viel, viel eher. Äh, im Deutschen ist man manchmal etwas direkter, ähm, hat nicht das englische Understatement, ähm, und das, das, ähm … ist durch aus auch, ähm, ja persönlichkeitsprägend oder charakterlich hat das Einfluss auf Menschen, die, ähm, dann miteinander reden und sicherlich ist das auch, ähm, ein Grund für Missverständnisse zwischen Kulturen. Insofern ist es umso wichtiger, dass man wahrscheinlich, äh, in beiden Kulturen zu Hause ist, um dann auch zu vermitteln.