Advanced German: Regional landscapes
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Advanced German: Regional landscapes

12 Heimat – Peter Sandmeyer

Auch im folgenden Artikel von Peter Sandmeyer aus dem Wochenmagazin „Stern“ geht es um Heimat.

Aufgabe 29

Lesen Sie zunächst die ersten beiden Abschnitte und analysieren Sie noch einmal die Struktur des Textes bzw. die Art und Weise, wie der Autor das Thema Heimat behandelt. Notieren Sie auch hier, was Fakt und was Meinung oder Behauptung ist.

Was ist Heimat?

Peter Sandmeyer

  1. Ein Gefühl ohne Heimat. Nur elf Prozent der Deutschen verbinden mit dem Begriff Heimat ihr Land. Für 89 Prozent werden Heimatgefühle ausgelöst von ihrer näheren Umgebung, von der Familie, dem Freundeskreis - dem geheizten Mansardenstübchen. In einem Internetforum lautet der Beitrag einer Vicky: „Wo ich mich geborgen fühle und Vertrauen habe, bin ich zu Hause. Heimat sind die Geborgenheitsnischen auf dem Lebensweg, in denen man dem eisigen Gegenwind entgehen, Kraft tanken kann, um ihm dann umso standhafter die Stirn zu bieten.“
  2. Manchmal aber muss man die wärmende Nische der Heimat verlassen, um eine andere Heimat zu finden: den Ort, wo man Arbeit hat, sich verwirklichen und seine Familie ernähren kann, wo das Leben Sinngebung erfährt. Aus diesem Grund ist heute fast jeder Zehnte in der Bundesrepublik ein Ausländer, sie alle suchten Arbeit - und brachten ihre eigene Heimat mit. Denn auch sie brauchen die Geborgenheit gegen den eisigen Wind, der ihnen entgegenwehte. Darum riecht es auch in Schabbach nicht mehr nur nach Eichenwald und Erbsensuppe, sondern längst auch nach Döner und Kebab. Selbst im kleinsten Dorf gibt es nicht mehr Heimat, sondern Heimaten. Und je stärker der Druck auf sie wird, durch Kopftuchverbote oder verordnete Leitkultur, desto erbitterter werden sie verteidigt.
(„Stern“ 9.12.04, www.sarosdy.de/hmattexte/Sandmeyer_Stern.doc, 2.6.2009)

Vokabular

Mansardenstübchen (nt.) Dachzimmer

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Discussion

  1. Der erste Abschnitt beginnt mit der Behauptung: Ein Gefühl ohne Heimat.
  2. Dann folgen empirische Informationen aus einer Umfrage, z.B. 89% haben Heimatgefühle im Kreis ihrer Familie oder Freunde usw.
  3. Als Beleg oder Beispiel für die empirischen Informationen wird eine Person zitiert.
  4. Der zweite Abschnitt führt das Problem vor, das in dem Artikel behandelt wird: Menschen müssen aus wirtschaftlichen und anderen Gründen ihre Heimat verlassen und neue Heimaten finden.
  5. Als Beleg wird genannt, dass ungefähr 10% der Deutschen Ausländer sind
  6. Danach folgen drei Behauptungen:
    • a.Ausländer bringen ihre „Heimat“ mit, weil sie im fremden Land etwas brauchen, das ihnen Geborgenheit gibt.
    • b.Als Folge davon gibt es auch in kleinen Dörfern viele Heimaten: Die Heimat der bisherigen Einwohner und die von den Einwanderern mitgebrachten Heimaten.
    • c.Je mehr die Einwanderer zur Aufgabe ihrer Heimat gezwungen werden (Kopftuchverbot, Anerkennen einer Leitkultur), desto stärker werden diese Heimaten verteidigt.

2, 3, 4 und 5 sind Fakten, die man anhand von Quellen nachprüfen kann. 1 und 6 sind Behauptungen, die im Laufe des Artikels kommentiert und belegt werden müssen. Die Aussage „Ein Gefühl ohne Heimat“ ist mehrdeutig und soll die Spannung der Leser und Leserinnen auf den Text steigern. Die drei Behauptungen legen fest, was in dem Artikel behandelt wird.

Aufgabe 30

Lesen Sie jetzt den ganzen Artikel und achten Sie auf die sprachlichen Mittel, mit denen der Autor die Absätze inhaltlich verbindet. Notieren Sie die betreffenden Textstellen.

Was ist Heimat?

Peter Sandmeyer

[…]

  1. Ein Gefühl ohne Heimat. Nur elf Prozent der Deutschen verbinden mit dem Begriff Heimat ihr Land. Für 89 Prozent werden Heimatgefühle ausgelöst von ihrer näheren Umgebung, von der Familie, dem Freundeskreis - dem geheizten Mansardenstübchen. In einem Internetforum lautet der Beitrag einer Vicky: „Wo ich mich geborgen fühle und Vertrauen habe, bin ich zu Hause. Heimat sind die Geborgenheitsnischen auf dem Lebensweg, in denen man dem eisigen Gegenwind entgehen, Kraft tanken kann, um ihm dann umso standhafter die Stirn zu bieten.“
  2. Manchmal aber muss man die wärmende Nische der Heimat verlassen, um eine andere Heimat zu finden: den Ort, wo man Arbeit hat, sich verwirklichen und seine Familie ernähren kann, wo das Leben Sinngebung erfährt. Aus diesem Grund ist heute fast jeder Zehnte in der Bundesrepublik ein Ausländer, sie alle suchten Arbeit - und brachten ihre eigene Heimat mit. Denn auch sie brauchen die Geborgenheit gegen den eisigen Wind, der ihnen entgegenwehte. Darum riecht es auch in Schabbach nicht mehr nur nach Eichenwald und Erbsensuppe, sondern längst auch nach Döner und Kebab. Selbst im kleinsten Dorf gibt es nicht mehr Heimat, sondern Heimaten. Und je stärker der Druck auf sie wird, durch Kopftuchverbote oder verordnete Leitkultur, desto erbitterter werden sie verteidigt.
  3. Deswegen ist eine besondere Heimat nie über das Stadium des schönen Traumes hinausgekommen: „Heimat Babylon”, das muntere Multikulti-Miteinander, das dem […] Grünen Daniel Cohn-Bendit vorschwebte, als er 1992 sein gleichnamiges Buch herausbrachte. […] Schon damals hielt ihm der erfahrene Ethnologe und Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt in einem Streitgespräch entgegen, dass „von den kleinsten Buschmann-Gruppen über große Stammesgesellschaften bis zu ganzen Staaten überall das Familienethos, die Geborgenheit und das Gesetz der Kleingruppe auf die Großgruppe übertragen wird. Dahinter scheint ja ein menschliches Grundbedürfnis zu stecken“.
  4. Je schärfer der Wind der Globalisierung weht, desto deutlicher äußert sich dieses Grundbedürfnis. […] „Der Prozess, den wir mit Globalisierung bezeichnen, ist tatsächlich ein doppelter“, schreibt der Sozialwissenschaftler Ralf Dahrendorf. „Während bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten immer weitere Räume zu ihrer Entfaltung brauchen und dabei jede Bodenhaftung verlieren, suchen Menschen immer kleinere Räume, in denen sie sich zu Hause fühlen und ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln können“.
  5. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit kann von verschiedenen Signalen ausgelöst werden; noch immer von dem eines Ortes und dem besonderen Zauber, den er mit seinem Duft, seiner Silhouette, seinem Licht auf den Menschen ausübt. […] Wolfgang Schäubles Heimkehr hat stets Natur zum Ziel, den Schwarzwald seiner Kindheit. „Ich sehe die Berge und die Täler. Und genieße es, allein zu sein, nichts zu hören. Dann entspanne ich. Ich bin zu Hause.“
  6. Zu Hause sein - warmes Gefühl in einer kalten Welt. Runaway-World, in der nichts hält und niemand Halt findet. Es sei denn, er hat Heimat. […]
  7. „Heimat ist nichts Einfaches, ist immer widersprüchlich“, sagt Regisseur Edgar Reitz. Ein Ton von Trauer und Melancholie schwingt stets mit. Denn die heimatlichste Heimat ist das Land der Kindheit, das Reich der Erinnerung. Bei allen Anfällen von Depressivität rette er sich in seine Heimat, in die Erinnerung an die Kindheit, bekannte Thomas Gottschalk: „Das ist Kulmbach, die Landschaft, der Rehberg, die Plassenburg, bildhafte Erinnerungen. […]

[…]

  1. Im Gegensatz zur erinnerten Heimat ist die wirkliche - die doch Hort des Vertrauten und der Geborgenheit sein soll - anfällig für Veränderungen. Menschen sterben, Häuser werden abgerissen, Flüsse begradigt, Fabriken geschlossen, Windkraftanlagen gebaut. Heimat will Stillstand, den es nicht gibt. Das Leben will den Wechsel. Deswegen ist jede Heimat, kaum dass sie errungen wurde, immer auch schon verlorene Heimat.
  2. Vielleicht ist Heimat eigentlich ein imaginärer Ort, der, an dem sich Nostalgie und Utopie umarmen. Ein Wunschtraum. Der Traum von einem Ort ohne Zeit, ohne Geschichte, ohne Gemeinheit, Bosheit und Niedertracht. Vielleicht findet man wahre Heimat immer nur, wie die in Afrika geborene und in Deutschland lebende Sängerin Senait Mehari, bei sich selbst.

[…]

(„Stern“ 9.12.04, www.sarosdy.de/hmattexte/Sandmeyer_Stern.doc, 2.6.2009)

Lerntipp: Namen erkennen

Sandmeyers Artikel beinhaltet die Namen einiger Menschen und Orte, die Sie wahrscheinlich nicht kennen. Wenn Sie so etwas lesen, haben Sie die Möglichkeit einfach weiterzulesen und sie zu ignorieren oder, wenn Sie sich weiter erkündigen wollen, können Sie vielleicht im Internet nachschauen. Wenn Sie zum Beispiel Thomas Gottschalk in einer Suchmaschine eingeben, finden Sie relativ leicht heraus, dass er in Deutschland eine Talkshow hat.

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Discussion

Absatz 1/2

„Heimat sind die Geborgenheitsnischen“ / „Manchmal aber muss man die wärmende Nische der Heimat verlassen“.

(„Nischen“ wird wiederholt, und „Geborgenheit“ und „wärmende“ haben in diesem Kontext eine ähnliche Bedeutung. Das Wort „aber“ deutet auf ein Problem, das der Autor in seinem Artikel aufgreifen wird.)

Absatz 2/3

“nicht mehr Heimat, sondern Heimaten. Und je stärker der Druck auf sie wird, […], desto erbitterter werden sie verteidigt. / Deswegen ist eine besondere Heimat nie über das Stadium des schönen Traumes gekommen“.

(Die Begriffe „Heimat“ und „Heimaten“ korrespondieren mit dem Begriff „eine besondere Heimat“. Das Wort „deswegen“ zeigt an, dass jetzt eine Erklärung oder ein Kommentar auf den vorherigen Absatz folgt.)

Absatz 3/4

„Dahinter scheint ja ein menschliches Grundbedürfnis zu stecken“. / Je schärfer der Wind der Globalisierung weht, desto deutlicher äußert sich dieses Grundbedürfnis.“

(„Grundbedürfnis“ wird wiederholt.)

Absatz 4/5

„ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln können.“ / „Dieses Gefühl der Zugehörigkeit“

(„Gefühl der Zugehörigkeit“ wird wiederholt)

Absatz 5/6

„Ich bin zu Hause.“ / „Zu Hause sein“

(Die Idee „zu Hause sein“ wird wiederholt, auch wenn die Verbform verändert wurde.)

Absatz 8/9

„immer auch schon verlorene Heimat“ / „Vielleicht ist Heimat eigentlich ein imaginärer Ort“

(„Heimat“ wird wiederholt. Auch die Begriffe „verlorene“ und „imaginärer Ort“ sind sinnverwandt: Was man verloren hat, kann man nur noch in Gedanken erleben.)

Achtung: Zwei Übergänge können nicht auf diese Weise analysiert werden, weil der Artikel aus Platzgründen hier gekürzt erscheint. Die Wiederholungen von „Heimat“ (Übergang Absatz 6/7) und „Erinnerungen“ bzw. „erinnerten“ (Übergang Absatz 7/8) verbinden zwar die Absätze, waren so aber vom Autor nicht intendiert.

Wortwiederholungen oder Sinnbezüge von einem Absatz zum anderen erhöhen die Kohäsion eines Artikels oder einer Rede und helfen den Lesern und Zuhörern, der Argumentation zu folgen. Versuchen Sie auch in Ihren Arbeiten diese sprachlichen Mittel zu verwenden.

Zum Weiterdenken

Was ist in beiden Quellen von Frisch und Sandmeyer zum Thema Heimat gleich? Wo gibt es Unterschiede?

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