Advanced German: Regional landscapes
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Advanced German: Regional landscapes

6 Naturgebiet, Industriegebiet

In den folgenden beiden Aufgaben geht es um sehr unterschiedliche Landschaften im Osten und Westen Deutschlands.

Aufgabe 11

Lesen Sie eine Landschaftsbeschreibung aus einem Buch über verschiedene Landschaften der ehemaligen DDR. Es geht um den Spreewald, einem sumpfigen Waldgebiet am Fluss Spree südöstlich von Berlin. Beantworten Sie die Fragen.

  1. Welche sprachlichen Bilder zeigen, dass es um eine deutsche Landschaft geht?
  2. Welche Bilder oder Textstellen haben Ihnen besonders gut gefallen?
  3. Welche sprachlichen Mittel zeigen, dass dieser Ausschnitt eine Reisebeschreibung ist?

Im Unteren Spreewald

Unser Weg führt uns von Lübben östlich der Spree nach Norden.

Anfangs haben wir dichten Kiefernwald um uns. Dann öffnet dieser sich, und hellbraune Äcker strecken sich herein. Kein Auto ist auf der Landstraße, kein Mensch auf den Feldern. [...] Der Boden ist jetzt, Ende März, trocken und staubig. Eine Reihe von blattlosen, strauchartig dünnen Erlen zeigt einen Wassergraben an.

Schemenhaft taucht ein Dorf auf. Allem Anschein nach trägt es den Namen Dürrenhofe zu Recht. Die Häuser sind klein, rechteckig und ohne Diele: steinerne Nachbildungen der alten westslawisch-lausitzischen Blockhäuser. Ein Mann guckt über den Bretterzaun. Endlich ein Mensch.

[...]

Das Dorf Kuschkow liegt im Sonnenschein. Es ist stattlicher, freundlicher als Dürrenhofe. Das trifft auch auf Neu-Lübbenau zu. Fachwerkhäuser fallen uns auf, darunter ein besonders schönes, rotgetünchtes. Wir halten vor der runden, spitztürmigen Kirche. Ein niedliches blondes Kind, den Schulranzen auf dem Rücken, sieht uns ruhig ins Gesicht.

Bei Leibsch vereinigen sich verschiedene Spreearme und Fließe. Überall rinnt es, murmelt es, schlängeln sich Bäche, Kanäle und Gräben, gesäumt von noch unbegrünten riesigen Erlen und Eschen.

Wir steigen von der neuen Betonbrücke vor dem Ort zum Zusammenfluß von Hauptspree und Kleiner Spree hinab. Drüben erheben sich große Höfe und Scheunen aus dunkelroten Ziegeln. Hier unten ist genossenschaftliche Weide, aber das Vieh wurde noch nicht ausgetrieben. Vorjährige Kuhfladen bedecken das Gras. Wir drücken uns durch den stromlosen Elektrozaun. Gluckernd rinnt das braune, offenbar an Humussäure reiche Wasser auf drei Seiten um uns herum. Ein scharfer, kalter Wind bläst unter den allgegenwärtigen Erlenstämmen.

(Uwe Berger, „Nur ein Augenblick: 99 Reiseskizzen“, 1981, S. 59–60)

Vokabular

lausitzisch aus der Lausitz, Gegend im Grenzgebiet von Brandenburg, Sachsen und Polen

(rot-)getüncht angemalt

Fließ (nt.) (veraltet) Bach

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Discussion

Hier einige mögliche Antworten.

  1. Kiefernwald, Erlen, westslawische-lausitzischen Blockhäuser, Kiefern, Fachwerkhäuser, runde spitztürmige Kirche, große Höfe und Scheunen aus dunkelroten Ziegeln, vielleicht auch ein niedliches, blondes Kind, den Schulranzen auf dem Rücken.
  2. Die Antwort hängt von Ihnen ab.
  3. „Unser Weg führt uns …“, „Wir steigen […] hinab“ und „Wir drücken uns …“ sind typische Mittel der Reisebeschreibung: Der Leser oder die Leserin soll an der Reise direkt teilhaben.

„Endlich ein Mensch“, aber auch Adjektive wie „freundlich“ oder „niedlich“ sind persönliche Wertungen des Autors, die die Stimmung des Erlebnisses auf den Leser oder die Leserin übertragen sollen.

Aufgabe 12

Der folgende Ausschnitt beschreibt die Atmosphäre in einem Stahlwerk Ende der sechziger Jahre.

  1. Lesen Sie den Ausschnitt und notieren Sie die Adjektive.
  2. Welche der notierten Begriffe erscheinen eher positiv oder eher negativ? Geben Sie Beispiele.

Das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet, zwischen den Flüssen Rhein, Ruhr und Lippe gelegen, ist eine Landschaft anderer Art. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich dort eine Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie und viele Menschen leben seitdem auf engstem Raum zusammen. Die geballte Industrieansiedlung führte zu einer starken Luftverschmutzung. So wird gesagt, dass man in Dortmund bis in die fünfziger Jahre nie blauen Himmel sehen konnte. Günther Wallraffs „Industriereportagen“, aus der die folgende Passage stammt, beschreibt dieses alte Image des Ruhrgebiets. Nach einer Krise in der Stahlindustrie in den siebziger Jahren und der Schließung von Bergwerken in den achtziger Jahren wurde konsequent versucht, das Image als die schmutzigste Region Deutschlands zu bekämpfen und die Erholungs- und Unterhaltungsindustrie auszubauen.

«Sinter zwo» – im Stahlwerk

Eine Stadt aus Rauch und Ruß, und der graue Belag auf den Backsteinfassaden ist wirklicher als die Steine darunter. Die Äste der Bäume sind kahl und nebelhaft weiß, als wären sie mit Milben bedeckt. Farblos sind die Gesichter der Menschen.

Hier gibt es keinen richtigen Himmel, nur nachts das rötliche Zucken der Wolken.

Die Fabrik ist größer als die Stadt. Ein unersättlicher Polyp, der mit seinen Fangarmen in alle Straßen greift und sich zwischen Wohnblocks und Geschäftshäuser drängt.

Die Ankunft in einem düsteren Land.

Die Fabrikanlage, in der ich mich melden soll, besteht aus kilometerlangen fensterlosen Gebäuden, kastenförmig ohne Lücke aneinandergekoppelt und ineinander verschachtelt, mehrfach überragt von Schornsteinen, die wie stumme Wächter darüberstehen. Keine Fabrik, wie sie mir von früher her bekannt ist, keine hin und her laufenden Arbeiter, keine Höfe und Innenflächen, überhaupt keine Menschen. Nicht der übliche Arbeitslärm, wie er durch Menschenhand entsteht. Die Fabrik liegt gleichmütig summend da. Es klingt, als verschmelze die Arbeit dort drinnen zu einem einzigen gleichartigen Vorgang, der eigentlich kein Lärm ist, sondern eher ein Keuchen, ein lautes Stöhnen.

Ferngesteuert werden auf Gleisanlagen Waggons bewegt. Staubmassen ergießen sich hinein, dann ruckt die Reihe ein Stück weiter. Keine Lokomotive ist zu sehen, seitlich neben den Schienen laufen Drähte. „Tor 22“ ist auf meinem Passierschein vermerkt, und als ich durchgehen will, verstellt mir ein Pförtner den Weg, prüft schweigend meinen Schein und weist mit dem linken Arm die Richtung. Der rechte Ärmel seiner schwarzen Werksuniform baumelt leer herunter.

(Günter Wallraff, „Industriereportagen“, 1970, S. 67)
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Discussion

  1. grau(e), wirklicher, kahl, nebelhaft weiß, mit Milben bedeckt, farblos, richtig(en), rötlich(e), größer, unersättlich(er), düster(en), kilometerlang(en), fensterlos(en), kastenförmig, aneinandergekoppelt, ineinander verschachtelt, überragt, stumm(e), hin und her laufend(en), üblich(e), gleichmütig summend, einzig(en) gleichartig(en), laut(es), link(en), recht(e), schwarz(en).
  2. Bei vielen Adjektiven entscheidet der Kontext, ob sie eventuell negativ oder positiv sind: Kilometerlange Autoschlangen erscheinen eher negativ, kilometerlange Sandstrände eher positiv. „Kahl“, „unersättlich“ und „düster“ sind meistens negativ und schaffen eine trübe Stimmung für die ganze Beschreibung.
  • Die negative Stimmung in der Beschreibung entsteht auch durch die vielen Bilder mit negativen Assoziationen. Hier einige wenige Beispiele: „Eine Stadt aus Rauch und Ruß“, „Ein unersättlicher Polyp, der mit seinen Fangarmen […] greift“, „Gebäuden, kastenförmig ohne Lücke aneinandergekoppelt“, Arbeit als „ein Keuchen, ein lautes Stöhnen“, usw.

Kultur verstehen: Günther Wallraff

Der Publizist Günter Wallraff (* 1942) ist besonders bekannt für seine Reportagen aus der Arbeitswelt, wie z.B. die 1970 veröffentlichten „Industriereportagen“. Er erregte Aufsehen wegen seiner verdeckten Recherchemethoden, für die er häufig falsche Identitäten annahm: Als Türke Ali verkleidet erforschte er die typische Arbeitswelt eines Gastarbeiters und schrieb in der Reportage „Ganz unten“ (1988) über seine Erfahrungen.

Bild 10 Das Ruhrgebiet

Aufgabe 13

Vergleichen Sie das Verhältnis von Menschen zu ihrer Umwelt in den beiden letzten Landschaftsbeschreibungen (Aufgabe A und B). Notieren Sie Ihre Gedanken.

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Discussion

Ihre Überlegungen sehen vielleicht ganz anders aus. Vergleichen Sie Ihre Version mit dieser.

  • Beide Landschaften werden als menschenleer bezeichnet. Wenn Menschen in der Natur und den Dörfern im Spreewaldtext auftauchen, freut sich der Autor. Es gibt keine Spannung zwischen Mensch und Umwelt. In der Industrielandschaft haben die Menschen etwas geschaffen, das jetzt dominiert: „Die Fabrik ist größer als die Stadt“. Selbst der Arbeitslärm ist unmenschlich geworden. Der einzige Mensch, der im Text erscheint, der Pförtner, behindert zunächst den Autor. Er spricht nicht („prüft schweigend“) und ist verstümmelt, vielleicht durch einen Arbeitsunfall. Das Verhältnis von Menschen zu ihrer Umwelt ist gestört.
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